<span> Bildquelle: </span>Stadt Neustadt (Hessen)
Kleinere Maßnahmen sollen 2025 umgesetzt werden

In den letzten zwei Jahrzehnten wurde Neustadt immer wieder von Starkregenereignissen „heimgesucht“, was zu Überschwemmungen in zahlreichen Straßen und Schäden bei den dortigen Anliegern führte. Besonders schlimm ist es dann, wenn zu dem Wasser auch noch Schlamm kommt.

Bei Starkregen ist die Topografie Neustadts – die Kommune liegt in einem Talkessel – äußerst nachteilig, strömt doch dann Wasser aus dem „Heidental“ oder dem Bereich rund um die Nellenburg in den Ort.

In der Vergangenheit wurden mehrere Studien und Untersuchungen erstellt, die durchaus Lösungswege aufgezeigt haben. Allerdings wären diese etwa für Rückhaltebecken und Schlammfänge mit enormen Kosten in Millionenhöhe versehen oder bedürfen einer Akzeptanz bei Landeigentümern und –Nutzern.

Aus diesem Grunde setzte man seitens der Kommunalpolitik bisher klar auf die Flurbereinigung,

sollte das Verfahren doch unmittelbar nach Freigabe der A49 in 2025 beginnen. Im letzten Jahr hat das Amt für Bodenmanagement Marburg/L. aber mitgeteilt, dass nun nicht vor 2030 mit dem Beginn der Planungen und dann erst in den Folgejahren mit Ausführungsarbeiten zu rechnen ist.

Für Bürgermeister Thomas Groll war dies Anlass, bei der Amtsleiterin vorzusprechen und um vernünftige „Zwischenlösungen“ zu bitten. Da natürlich auch in den kommenden Jahren mit Starkregenereignissen zu rechnen ist und Neustadt nicht immer so viel Glück haben dürfte wie seit 2022. Das Anliegen des Bürgermeisters wurde positiv beschieden.

Nunmehr fand Mitte März ein Informationsabend für Grundstückseigentümer und Landnutzer des „Heidentales“ im Kultur- und Bürgerzentrum statt. Steffen Breitbarth, Willi Schüttler und Tobias Müller vom Amt für Bodenmanagement erläuterten hier verschiedene „kleinere“ Maßnahmen für dieses Gebiet, die dennoch erfolgsversprechend sind. Anwesend war an diesem Abend auch Susanne Fischer vom Wasser- und Bodenverband Marburger Land, die die Thematik seit Jahren kennt und aufgrund verschiedener Beratungstätigkeiten gute Kontakte zu den hiesigen Landwirten hat.

Bürgermeister Thomas Groll konnte rund 30 Interessierte begrüßen. Im Verlauf des Abends wurde von ihm klar herausgestellt, dass weder die im Heidental wirtschaftenden Landwirte „schuld“ an den Überschwemmungen seien, noch, dass alleine sie zu Lösungen beitragen könnten. Gleichwohl seien sie wichtige Partner bei der Umsetzung erster Maßnahmen im Vorgriff auf die Flurbereinigung. Die Vertreter des Amtes für Bodenmanagement haben sich einige Maßnahmen für diesen Bereich überlegt, der „mit kleinem Geld“ den Schutz der Anlieger in der Innenstadt und den angrenzenden Bereichen verbessern dürfte.

Für Steffen Breitbarth geht es dabei um natürliche und vergleichsweise einfach anzulegende Maßnahmen, die möglichst viel Wasser und Sediment zurückhalten sollen. Die Größe des Einzugsgebietes des Heidentales beziffert er mit etwa 70 Hektar. Bei Starkregenereignissen kämen im unteren Heidental über 1.700 Liter Wasser in der Sekunde an. Die landwirtschaftlichen Flächen seien stark erosionsgefährdet. Daher schlug das Amt für Bodenmanagement die Anlage von etwa 30 m breiten Erosionsstreifen (Grünland in Ackerbereichen) vor. Auch der Rückhalt durch einen Feldspeicher – Regenrückhaltemulde – könnte Erfolg versprechen. Weiterhin wurden Erosionsstreifen durch 10 m breite Heckensäume vorgeschlagen.

Dargelegt wurde von Tobias Müller, dass ein Erdwall nicht die erhoffte Lösung brächte. Hier gäbe es hohe Bau- und Planungskosten, die Wegeführung müsste anders gestaltet werden. Es wäre ein langer Genehmigungsprozess mit unsicherem Ausgang notwendig. Auch die Unterhaltung koste Geld und für die „Stausee-Flächen“ gäbe es Nutzungseinschränkungen.

Vorgeschlagen wurden im Verlauf des Abends aus dem Kreis der Landwirte Querrinnen in den asphaltierten Wirtschaftsweg durch das Heidental anzulegen, um das Wasser in den Graben zu leiten, oder das Wasser im oberen Bereich so zu lenken, dass es bei Starkregenereignissen Richtung Rössler-Teich abfließen kann.

Bürgermeister Thomas Groll und die Mitarbeitenden des Amtes für Bodenmanagement machten deutlich, dass eine tragfähige Lösung nur in einem Miteinander erreicht werden könnte. Anzustreben sei die Bereitstellung von etwa 4,4 Hektar durch die Eigentümer. Hiervon könnten 3,5 Hektar weiterhin als Grünland intensiv bewirtschaftet werden.

Nach Ostern will man in der Thematik weiter vorwärtskommen. Der Bürgermeister verwies darauf, dass im Haushalt rund 10.000 Euro für kleinere Maßnahmen vorgesehen seien bzw. als Entschädigungszahlungen Verwendung finden könnten.

Grundstückseigentümer oder Landwirte, die sich ein Mittun vorstellen können, sind gebeten, sich bis Ende März 2025 bei der Kommune oder dem Amt für Bodenmanagement zu melden.